
BFE+ Auswahlverfahren
Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit Plus
Die BFE+ ist die Anti-Terror-Einheit der Bundespolizei und bildet die Brücke zwischen den regulären BFE-Einheiten und der GSG 9. Nach den Terroranschlägen von Paris 2015 aufgestellt, verfügen die fünf BFE+ Einheiten über erweiterte Bewaffnung und Taktik-Ausbildung für terroristische Bedrohungslagen.
Was ist die BFE+?
Die BFE+ (Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit Plus) wurde im Dezember 2015 als direkte Reaktion auf die Terroranschläge in Paris gegründet. Das Bundesinnenministerium unter Thomas de Maizière erkannte, dass zwischen den regulären Einsatzhundertschaften der Bundespolizei und der GSG 9 eine kritische Fähigkeitslücke bestand: Bei gleichzeitigen Terroranschlägen an mehreren Orten — wie in Paris am 13. November 2015 mit sechs koordinierten Angriffen — reichte die GSG 9 mit ihren rund 400 Einsatzkräften allein nicht aus. Die BFE+ schließt diese Lücke als schnell verfügbare Anti-Terror-Komponente, die an fünf Standorten dezentral über das gesamte Bundesgebiet verteilt stationiert ist und innerhalb von 30 bis 60 Minuten einsatzbereit sein kann. Die Einheit ist organisatorisch in die bestehenden BFE-Hundertschaften der Bundespolizei eingebettet und untersteht den jeweiligen Bundespolizeidirektionen. Im Alltag nehmen BFE+ Beamte reguläre BFE-Aufgaben wahr — qualifizierte Zugriffe, Beweissicherung bei Großlagen, Absicherung von Fußballspielen und robuste Kontrollstellen an Bahnhöfen und Flughäfen. Bei terroristischen Bedrohungslagen werden sie jedoch als geschlossene Anti-Terror-Einheit aktiviert. Mit insgesamt rund 250 speziell ausgebildeten Beamten an fünf Standorten ergänzt die BFE+ die Kapazitäten der GSG 9 erheblich. Die taktische Ausbildung erfolgt teilweise direkt durch die GSG 9 am Standort Sankt Augustin/Hangelar, um die Interoperabilität beider Einheiten sicherzustellen. Für viele ambitionierte Bundespolizisten ist die BFE+ zudem ein wichtiger Karriereschritt auf dem Weg zur GSG 9 — die erweiterte Schieß- und CQB-Ausbildung sowie die Anti-Terror-Erfahrung verschaffen einen messbaren Vorteil im anspruchsvollen GSG-9-Auswahlverfahren.
Die Entstehungsgeschichte der BFE+ ist eng mit der europäischen Sicherheitslage seit 2015 verknüpft. Am 13. November 2015 verübten islamistische Terroristen koordinierte Anschläge an sechs verschiedenen Orten in Paris — das Bataclan-Theater, das Stade de France und mehrere Restaurants wurden gleichzeitig angegriffen. Die französische Polizei stand vor dem Problem, dass ihre Spezialeinheiten (RAID und BRI) nicht an allen Tatorten gleichzeitig eingreifen konnten. Diese Erkenntnis traf auch Deutschland: Die GSG 9 mit rund 400 Einsatzkräften ist zwar hochspezialisiert, kann aber bei simultanen Terrorlagen an mehreren Orten nicht überall gleichzeitig sein. Die Verlegung von Sankt Augustin an einen Einsatzort dauert je nach Entfernung mehrere Stunden. Bereits im Dezember 2015 — nur einen Monat nach den Pariser Anschlägen — beschloss das Bundesinnenministerium die Aufstellung der BFE+ als dezentrale Anti-Terror-Komponente der Bundespolizei.
Die BFE+ rekrutiert ausschließlich aus den bestehenden 15 Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten (BFE) der Bundespolizei. Diese regulären BFE sind Teil der Einsatzhundertschaften und zuständig für qualifizierte Zugriffe, Beweissicherung bei Großlagen und Festnahmen. Die BFE+ Beamten durchlaufen über die BFE-Grundausbildung hinaus eine intensive zweimonatige Zusatzausbildung an der GSG 9 in Sankt Augustin/Hangelar. Inhalte sind Close Quarter Battle (CQB), erweiterte Schießausbildung mit Maschinenpistolen und Sturmgewehren, Anti-Terror-Taktik und taktische Verletztenversorgung (TECC). Die Ausbildung wird regelmäßig evaluiert und an aktuelle Bedrohungsszenarien angepasst — seit 2022 mit verstärktem Fokus auf Active-Shooter-Lagen und CBRN-Szenarien (chemische, biologische, radiologische und nukleare Bedrohungen).
Im Unterschied zur GSG 9 ist die BFE+ keine eigenständige Verbandsstruktur, sondern in die bestehenden Bundespolizeidirektionen integriert. Die fünf BFE+ Einheiten sind jeweils einer BFE-Hundertschaft zugeordnet und können im Alltag reguläre BFE-Aufgaben wahrnehmen. Bei terroristischen Lagen werden sie jedoch als geschlossene Einheit eingesetzt und operieren mit erweiterter Bewaffnung und Ausrüstung. Die GSG 9 hat bei der taktischen Führung in Terrorlagen den Vorrang — die BFE+ fungiert als Unterstützungsebene und kann eigenständig Erstmaßnahmen einleiten, bis die GSG 9 eintrifft. Dieses abgestufte Konzept (BFE → BFE+ → GSG 9) ist in der deutschen Sicherheitsarchitektur einzigartig und wird von anderen EU-Staaten als Vorbild betrachtet.
Die Bewaffnung der BFE+ geht deutlich über die der regulären BFE hinaus: Neben der Dienstpistole (HK P30) führen BFE+ Beamte Maschinenpistolen (HK MP5 oder MP7) und das Sturmgewehr G36C in der kompakten Variante. Auch die Schutzausrüstung ist erweitert — ballistische Helme mit Gehörschutz und Kommunikationssystem, Plattenträger mit Schutzklasse IV, taktische Beleuchtung und Blendgranaten gehören zur Standardausstattung. Im Vergleich: Reguläre BFE-Beamte führen in der Regel nur Dienstpistole und im Einzelfall eine MP5, während die GSG 9 über ein noch deutlich breiteres Waffenspektrum inklusive Scharfschützengewehren, Sprengmitteln und spezialisierten Türöffnungsgeräten verfügt.
Der Karriereweg BFE → BFE+ → GSG 9 ist keine Pflicht, aber ein bewährter Pfad. Wer in der BFE+ überdurchschnittliche Leistungen zeigt, hat im GSG-9-Auswahlverfahren statistisch bessere Chancen — die CQB-Erfahrung, die erweiterte Schießausbildung und die Routine im Umgang mit terroristischen Szenarien sind ein klarer Vorteil gegenüber Bewerbern aus regulären Polizeieinheiten. Gleichzeitig gilt: Die BFE+ ist eine spezialisierte Einheit, keine Spezialeinheit im engeren Sinne. Ihr Hauptgeschäft bleibt die reguläre BFE-Arbeit — qualifizierte Zugriffe, Beweissicherung bei Großlagen, Fußballeinsätze und robuste Kontrollstellen. Die Anti-Terror-Komponente ist eine Zusatzfähigkeit, die bei Bedarf aktiviert wird.
Auf Länderebene existieren vergleichbare Strukturen in verschiedenen Bundesländern. In NRW beispielsweise gibt es BFE-Einheiten an den Standorten Bochum, Wuppertal und Köln — diese unterliegen eigenen Eingangsvoraussetzungen wie einem Cooper-Test-Minimum von 2.500 m und einer 5-jährigen Mindestverwendungszeit bei der Polizei. Diese Landes-BFE haben jedoch nicht den Anti-Terror-Auftrag der Bundes-BFE+ und verfügen nicht über die erweiterte Bewaffnung. In Bayern übernimmt das USK (Unterstützungskommando) eine ähnliche Funktion wie die BFE auf Bundesebene. Die BFE+ bleibt damit die einzige polizeiliche Einheit auf Bundesebene, die zwischen regulärer Einsatzhundertschaft und GSG 9 positioniert ist.
Aufbau & Einsatzeinheiten
01BFE+ Bad Bergzabern (Bundespolizeidirektion Koblenz)
BFE+ Einheit im Südwesten, zugeordnet der BFE-Hundertschaft in Bad Bergzabern. Abdeckung der südwestlichen Region Deutschlands.
02BFE+ Blumberg (Bundespolizeidirektion Stuttgart)
BFE+ Einheit in Baden-Württemberg, stationiert in Blumberg bei der Bundespolizeidirektion Stuttgart.
03BFE+ Bayreuth (Bundespolizeidirektion München)
BFE+ Einheit in Bayern, zugeordnet der BFE-Hundertschaft in Bayreuth. Abdeckung des süddeutschen Raums.
04BFE+ Hünfeld (Bundespolizeidirektion Koblenz)
BFE+ Einheit in Hessen, stationiert in Hünfeld. Zentrale Lage für schnelle Verlegung in alle Richtungen.
05BFE+ Uelzen (Bundespolizeidirektion Hannover)
BFE+ Einheit in Niedersachsen, stationiert in Uelzen. Abdeckung des norddeutschen Raums.
Standorte
Bad Bergzabern
BFE+ Einheit bei der Bundespolizeidirektion Koblenz. Südwestlicher Standort.
Blumberg
BFE+ Einheit bei der Bundespolizeidirektion Stuttgart. Baden-Württemberg.
Bayreuth
BFE+ Einheit bei der Bundespolizeidirektion München. Bayern.
Hünfeld
BFE+ Einheit bei der Bundespolizeidirektion Koblenz. Zentrale Lage in Hessen.
Uelzen
BFE+ Einheit bei der Bundespolizeidirektion Hannover. Norddeutschland.
Anforderungen & Voraussetzungen
- Aktiver Bundespolizeibeamter mit abgeschlossener Laufbahnausbildung (mittlerer oder gehobener Dienst)
- Verwendung in einer regulären BFE der Bundespolizei — Direktbewerbungen von außen sind nicht möglich
- Mindestens 2 Jahre Erfahrung in einer BFE-Einheit mit überdurchschnittlichen Leistungsbeurteilungen
- Cooper-Test deutlich über BFE-Minimum: Richtwert ab 2.800 m aufwärts (BFE-Standard: 2.500 m)
- Überdurchschnittliche Schießleistung mit Dienstpistole — Trefferquote mindestens 85 % unter Belastung
- Klimmzüge: mindestens 8 saubere Wiederholungen im Obergriff
- Bankdrücken: mindestens 75 % des eigenen Körpergewichts
- Sprint und Koordination: Hindernisparcours in vorgegebener Mindestzeit
- Psychische Belastbarkeit und Teamfähigkeit unter Extrembedingungen (getestet in taktischen Stressszenarien)
- Einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis und erweiterte Sicherheitsüberprüfung (SÜ2)
- Bereitschaft zu erhöhter Einsatzbereitschaft, kurzfristiger Alarmierung und Rufbereitschaft außerhalb der Dienstzeit
- Gesundheitliche Volltauglichkeit — erweiterte polizeiärztliche Untersuchung (Polizeidienstvorschrift 300)
- Bereitschaft zur erweiterten taktischen Ausbildung (CQB, Anti-Terror, TECC) am GSG-9-Standort Sankt Augustin
- Empfehlung durch die BFE-Hundertschaftsführung — die Vorauswahl erfolgt intern durch den Vorgesetzten
BFE+ EAV: Prüfungsbestandteile
Ablauf des BFE+ Auswahlverfahrens im Detail
Voraussetzung: BFE-Zugehörigkeit
Anders als bei SEK oder GSG 9 bewirbt man sich nicht direkt bei der BFE+. Der Weg führt zwingend über die reguläre BFE. Erst nach mindestens zwei Jahren in einer BFE-Einheit und entsprechender Leistung kann eine Bewerbung für die BFE+ erfolgen. Die Vorauswahl erfolgt durch die jeweilige BFE-Hundertschaftsführung.
Phase 1: Sportliche und medizinische Eignungsfeststellung
Erweiterter Sporttest, der über die regulären BFE-Anforderungen hinausgeht. Geprüft werden Ausdauer (Cooper-Test), Kraft (Klimmzüge, Bankdrücken), Schnelligkeit und Koordination. Die Mindestanforderungen liegen deutlich über dem BFE-Niveau. Parallel erfolgt eine erweiterte medizinische Untersuchung.
Phase 2: Schießleistungsüberprüfung
Intensive Schießprüfung mit Dienstpistole und Maschinenpistole unter Belastung und Zeitdruck. Die BFE+ Beamten müssen deutlich höhere Trefferquoten erreichen als reguläre BFE-Kräfte. Geschossen wird unter realistischen Einsatzbedingungen: nach körperlicher Belastung, bei eingeschränkter Sicht und in Bewegung.
Phase 3: Taktische Überprüfung und psychologische Diagnostik
Taktische Szenarien (Gebäudedurchsuchung, Zugriffssimulationen) in Kombination mit psychologischer Eignungsdiagnostik. Geprüft werden Entscheidungsfähigkeit unter Druck, Teamarbeit in Extremsituationen und die Fähigkeit, in komplexen Lagen die Übersicht zu behalten. Abschließendes Interview vor einer Auswahlkommission.
→Von der BFE zur BFE+ zur GSG 9
Die BFE+ ist für viele Bundespolizisten ein Karriereschritt auf dem Weg zur GSG 9. BFE+ Erfahrung ist keine Voraussetzung für die GSG 9, aber die erweiterte taktische Ausbildung und Anti-Terror-Erfahrung verschaffen einen deutlichen Vorteil im GSG-9-Auswahlverfahren.
Ausbildung nach bestandenem EAV
Nach der Auswahl durchlaufen BFE+ Beamte eine zweimonatige Zusatzausbildung an der GSG 9 in Sankt Augustin/Hangelar. Im Mittelpunkt stehen erweiterte Schießausbildung, Close Quarter Battle (CQB), Anti-Terror-Taktik (Notintervention bei Terrorlagen), Evakuierung unter Bedrohung und taktische Verletztenversorgung (TECC). Nach Abschluss erfolgen regelmäßige Fortbildungen, jährliche Leistungsüberprüfungen und gemeinsame Übungen mit der GSG 9.
Ausbildungsmodule im Detail
Erweiterte Schießausbildung
Intensive Ausbildung an Maschinenpistole (HK MP5/MP7) und Sturmgewehr (G36C). BFE+ Beamte verschießen während der Ausbildung ein Vielfaches der regulären BFE-Munitionsmenge. Trainingsschwerpunkte: Schießen unter Bewegung (vorwärts, rückwärts, seitlich), Schießen nach körperlicher Belastung (Lauf, Liegestütze, Überwindungshindernisse), Schießen bei eingeschränkter Sicht (Nachtszenarios, Blendgranaten-Exposition) und Präzisionsschießen in CQB-Distanzen (3-15 m). Das Ziel ist eine Trefferquote von mindestens 90 % auch unter extremen Belastungsbedingungen. Die Ausbildung findet auf dem GSG-9-Schießgelände in Sankt Augustin statt.
Close Quarter Battle (CQB)
Taktisches Vorgehen in Gebäuden und engen Räumen ist die Kernkompetenz der BFE+ bei Anti-Terror-Einsätzen. Ausgebildet werden: Raumkampf (Türöffnung, Raumeinnahme, Kontaktstellung), Türöffnungstechniken (mechanisch, ballistisch, per Ramme), taktische Gebäudesicherung in Teams von 4-6 Beamten, Flur- und Treppenhauskampf, Evakuierung von Personen unter Bedrohung und Zusammenarbeit mit Deckungsschützen. Training erfolgt unter realistischen Bedingungen mit Markierungsmunition (Simunition/FX), Rauchgranaten und kontrollierten Stressinduktoren (Lärm, Blitz, Zeitdruck). Die CQB-Übungshäuser der GSG 9 bieten modulare Raumkonfigurationen für unterschiedliche Szenarien.
Anti-Terror-Taktik
Spezifische Taktiken für terroristische Bedrohungslagen bilden den strategischen Kern der BFE+ Ausbildung. Module umfassen: Active Shooter Response (sofortige Neutralisierung, Zusammenarbeit mit nachrückenden Kräften), Marauding Terrorist Attack (MTA) — koordiniertes Vorgehen bei mobilen Angreifern an mehreren Orten, Geisellagen (Absperrung, Zeitgewinn, taktische Kommunikation bis zum Eintreffen der GSG 9), CBRN-Grundlagen (Erkennung, Eigenschutz, Evakuierungsrouten bei chemischen oder biologischen Gefahren) und Zusammenarbeit mit GSG 9 sowie SEK bei komplexen Lagen. Abschlussprojekt: 48-Stunden-Übung mit mehreren parallel ablaufenden Bedrohungsszenarien unter realistischen Bedingungen.
Erweiterte Erste Hilfe (Tactical Emergency Casualty Care)
Taktische Verwundetenversorgung unter Feindeinwirkung (TECC) nach dem MARCH-PAWS-Algorithmus. Jeder BFE+ Beamte wird ausgebildet, um Verletzte in Terrorlagen versorgen zu können, bis der Rettungsdienst Zugang hat. Kernkompetenzen: Anlegen von Tourniquets (CAT Gen 7) in unter 30 Sekunden, Atemwegssicherung (NPA), Behandlung von Thoraxverletzungen (Chest Seal), Blutungskontrolle mit hämostyptischer Gaze, Hypothermie-Prävention und kaskadenförmige Übergabe an den Rettungsdienst. Training findet unter realistischen Bedingungen statt — mit simulierten Verwundeten, Rauch und taktischem Druck. Alle BFE+ Beamte tragen ein erweitertes IFAK (Individual First Aid Kit) am Plattenträger.
→Spezialeinheit Vorbereitung: Der komplette Guide
SEK, KSK, GSG9, BFE+ und ZUZ — in einem Artikel. Was wirklich gefordert wird, wie du die Vorbereitung strukturierst und welche Fehler die meisten Bewerber machen.
Besoldung & Vergütung
BFE+ Beamte werden nach der Bundesbesoldungsordnung A vergütet. Im mittleren Dienst bewegen sich die Besoldungsgruppen zwischen A 7 (Polizeimeister, ca. 2.800 € brutto) und A 9 (Polizeihauptmeister, ca. 3.500 € brutto). Im gehobenen Dienst reicht das Spektrum von A 9g (Polizeikommissar, ca. 3.300 € brutto) bis A 13 (Polizeihauptkommissar, ca. 4.800 € brutto) — jeweils abhängig von Erfahrungsstufe und Familienstand. Hinzu kommt die Polizeizulage der Bundespolizei in Höhe von rund 128 € monatlich. Bei Einsätzen fallen Einsatzzulagen, Überstundenvergütung und ggf. Zuschläge für Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienst an. Eine spezifische BFE+ Sonderzulage gibt es bislang nicht — dies wird von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) seit Jahren kritisiert, da die BFE+ Beamten deutlich höheren physischen und psychischen Belastungen ausgesetzt sind als reguläre BFE-Kräfte. Zum Vergleich: GSG-9-Beamte erhalten eine Spezialeinheitenzulage von rund 225 € monatlich. Darüber hinaus profitieren BFE+ Beamte von den üblichen Beamtenvorteilen: private Krankenversicherung über Beihilfe, Pension statt Rente, Familienzuschläge und Umzugskostenvergütung bei Standortwechsel.
BFE+ Vorbereitung: Tipps
- →Der Weg zur BFE+ führt zwingend über die reguläre BFE — bewirb dich zuerst bei der Bundespolizei (mittlerer oder gehobener Dienst), durchlaufe die Ausbildung und arbeite dich gezielt in eine der 15 BFE-Einheiten vor. Plane für diesen Weg mindestens 3-4 Jahre ein.
- →In der BFE durch überdurchschnittliche Leistung auffallen: Sporttest-Werte deutlich über Minimum, Schießleistung im oberen Bereich, Engagement bei Einsätzen. Die jährlichen Leistungsüberprüfungen sind dein Gradmesser — dokumentiere deine Fortschritte systematisch.
- →Cooper-Test auf mindestens 2.800 m trainieren, besser 3.000 m. Das BFE-Minimum von 2.500 m reicht für die BFE+ nicht aus. Trainiere 4-5 Mal pro Woche Ausdauer: 2x Intervalltraining (800-m-Intervalle in 3:00-3:10 min), 2x lockere Dauerläufe (GA1-Bereich), 1x Tempolauf.
- →Krafttraining mit Fokus auf funktionelle Bewegungen: Klimmzüge (Ziel: 12-15 saubere Wiederholungen), Bankdrücken (Ziel: 80-90 % Körpergewicht), Kniebeugen, Liegestütze unter Körperpanzer-Simulation mit Gewichtsweste (15-20 kg). Trainiere mindestens 3x pro Woche Kraft.
- →Stressresistenz systematisch aufbauen: Trainiere unter Erschöpfung — nach 3 km Lauf sofort kognitive Aufgaben lösen. Übe Entscheidungen unter Zeitdruck. Kältebäder, Schlafentzugsübungen und Boxen/Kampfsport erhöhen deine mentale Belastbarkeit nachweislich.
- →Netzwerke innerhalb der BFE aufbauen: Sprich mit BFE+ Beamten an deinem Standort, frage nach dem Bewerbungsprozess und den aktuellen Anforderungen. Die Empfehlung deiner Hundertschaftsführung ist entscheidend — zeige Engagement und Zuverlässigkeit im Dienst.
Häufig gestellte Fragen zum BFE+ Auswahlverfahren
Was ist der Unterschied zwischen BFE und BFE+?
Die reguläre BFE (Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit) ist Teil der Einsatzhundertschaften der Bundespolizei und führt qualifizierte Zugriffe, Beweissicherung und Festnahmen durch. Die BFE+ ist eine Erweiterung: Ausgewählte BFE-Beamte erhalten eine zusätzliche Anti-Terror-Ausbildung, erweiterte Bewaffnung (Maschinenpistolen, ggf. Sturmgewehre) und werden für terroristische Lagen eingesetzt. Die BFE+ ist die Brücke zwischen BFE und GSG 9.
Kann ich mich direkt bei der BFE+ bewerben?
Nein. Der Weg führt zwingend über die Bundespolizei und dann in eine reguläre BFE. Erst nach mindestens zwei Jahren BFE-Erfahrung und entsprechender Leistung kann man sich für die BFE+ bewerben. Eine direkte Bewerbung von außen oder aus anderen Polizeibehörden ist nicht möglich.
Wie unterscheidet sich die BFE+ von der GSG 9?
Die GSG 9 ist Deutschlands polizeiliche Anti-Terror-Spezialeinheit auf höchstem Niveau mit einem der härtesten Auswahlverfahren weltweit. Die BFE+ ist eine Stufe darunter: Sie soll bei gleichzeitigen Terrorlagen an mehreren Orten die GSG 9 entlasten und ist dezentral an fünf Standorten verfügbar. Die GSG 9 ist zentral in Sankt Augustin/Hangelar stationiert. Bewaffnung und Ausbildung der GSG 9 sind deutlich umfangreicher.
Wann wurde die BFE+ gegründet?
Die BFE+ wurde im Dezember 2015 als Reaktion auf die Terroranschläge in Paris vom November 2015 aufgestellt. Das Bundesinnenministerium erkannte, dass für gleichzeitige Terrorlagen an mehreren Orten eine zusätzliche Anti-Terror-Komponente unterhalb der GSG 9 benötigt wird.
An welchen Standorten gibt es BFE+ Einheiten?
Es gibt fünf BFE+ Einheiten an den Standorten: Bad Bergzabern, Blumberg, Bayreuth, Hünfeld und Uelzen. Die dezentrale Verteilung stellt sicher, dass bei Terrorlagen in ganz Deutschland schnell eine BFE+ Einheit vor Ort sein kann.
Welche Bewaffnung nutzt die BFE+?
Neben der Dienstpistole (HK P30) führen BFE+ Beamte Maschinenpistolen (HK MP5 oder MP7) und das Sturmgewehr G36C in der kompakten Variante. Die Schutzausrüstung umfasst ballistische Helme mit integriertem Gehörschutz und Kommunikationssystem, Plattenträger mit Schutzklasse IV, taktische Beleuchtung und Blendgranaten. Die Bewaffnung ist deutlich umfangreicher als bei der regulären BFE, aber nicht so spezialisiert wie bei der GSG 9, die zusätzlich über Scharfschützengewehre, Sprengmittel und Spezialwerkzeug verfügt.
Können Frauen zur BFE+ gehen?
Ja, grundsätzlich steht die BFE+ Frauen offen — es gelten die gleichen Anforderungen wie für männliche Bewerber. In der Praxis ist der Frauenanteil in der regulären BFE und erst recht in der BFE+ sehr gering, da die physischen Anforderungen hoch sind. Es gibt keine geschlechterspezifischen Mindestanforderungen: Die Sporttest-Werte, Schießleistung und taktische Überprüfung sind für alle Bewerber identisch. Frauen, die den Weg in eine BFE geschafft haben und die Anforderungen erfüllen, haben dieselben Chancen auf eine BFE+ Auswahl.
Wie ist die BFE+ besoldungsmäßig eingestuft — was verdient man?
BFE+ Beamte werden nach der Bundesbesoldungsordnung vergütet, in der Regel A 7 bis A 9 im mittleren Dienst und A 9g bis A 13 im gehobenen Dienst. Das Grundgehalt liegt je nach Dienstgrad und Erfahrungsstufe zwischen ca. 2.800 € und 4.500 € brutto monatlich. Hinzu kommt die Polizeizulage (rund 128 € pro Monat) sowie Zuschläge für Überstunden, Rufbereitschaft und Einsätze (Einsatzzulage bei besonderen Lagen). Eine spezifische BFE+ Sonderzulage existiert bislang nicht, was von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisiert wird. Im Vergleich: GSG-9-Beamte erhalten eine Spezialeinheitenzulage.
Ist die BFE+ ein Sprungbrett zur GSG 9?
Die BFE+ ist kein formales Sprungbrett, aber ein bewährter Karriereweg zur GSG 9. Die erweiterte CQB-Ausbildung, die Schießfertigkeiten und die Anti-Terror-Erfahrung in der BFE+ verschaffen einen messbaren Vorteil im extrem anspruchsvollen GSG-9-Auswahlverfahren. Mehrere aktive GSG-9-Operator kommen aus der BFE+. Allerdings ist BFE+ Erfahrung keine Voraussetzung — auch Bewerber aus regulären BFE-Einheiten, dem SEK oder sogar der Bundeswehr (KSK/Fallschirmjäger) können sich bei der GSG 9 bewerben.
Wie oft finden BFE+ Auswahlverfahren statt?
BFE+ Auswahlverfahren finden nicht nach einem festen öffentlichen Kalender statt. Die Nachbesetzung erfolgt bedarfsabhängig durch die jeweiligen Bundespolizeidirektionen. In der Regel werden 1-2 Mal pro Jahr Bewerber gesucht. Die Information über offene Plätze läuft intern über die BFE-Hundertschaften. Wer sich für die BFE+ interessiert, sollte seine Hundertschaftsführung ansprechen und kontinuierlich an seiner Leistung arbeiten.
Was passiert, wenn man das BFE+ Auswahlverfahren nicht besteht?
Wer das BFE+ Auswahlverfahren nicht besteht, kehrt in seine reguläre BFE-Einheit zurück. Es gibt keine negativen dienstlichen Konsequenzen. Eine erneute Bewerbung ist nach einer Wartezeit von in der Regel einem Jahr möglich, sofern die Hundertschaftsführung zustimmt. Viele erfolgreiche BFE+ Beamte haben den Weg erst im zweiten Anlauf geschafft — gezieltes Training der Schwachstellen zwischen den Versuchen ist entscheidend.
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